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Systemische Beratung in der Kinder- und Jugendhilfe

Die systemische Herangehensweise ist auch im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe fester Bestandteil der professionellen Arbeit. Die Weiterbildung richtet sich an Fachkräfte aus diesem Bereich mit mindestens zweijähriger Berufserfahrung und der Möglichkeit, systemisches Denken und Handeln in ihrem Tätigkeitsbereich anzuwenden. Ziel ist die Erweiterung der sozialpädagogischen Handlungskompetenz durch Theorievermittlung, Anwendung verschiedener systemischer Methoden, Praxisreflexion und Selbsterfahrung.

Die Weiterbildung erstreckt sich über ein Jahr und umfasst insgesamt 150 Unterrichtsstunden. Es wird ein Zertifikat „Systemische Beratung in der Kinder- und Jugendhilfe“ ausgestellt, in dem Umfang und Inhalt der Weiterbildung detailliert beschrieben und die Referenten/Berater/Supervisoren benannt sind.

Voraussetzungen für die Erlangung des Zertifikates sind:

  • Die regelmäßige Teilnahme an allen Modulen
  • Das Einbringen von zwei eigenen Fällen/Themen in die Supervision
  • Das Beschreiben von zwei Beratungs-/Betreuungsprozessen anhand eines Leitfadens
  • Eine Bescheinigung des externen Beraters über die Selbsterfahrungsarbeit
  • Die Dokumentation der Peergroup-Treffen

Die Weiterbildung besteht aus folgenden Modulen:

Modul 1: Systemtherapeutische Modelle, Kennzeichen systemischer Haltung, Familie als soziales System (1 Tag/10 Ustd.) 

Die Teilnehmer/innen lernen sich gegenseitig kennen und formulieren ihre Erwartungen an die Fortbildung. Anhand eines Überblickes über systemtherapeutische Modelle von der Kybernetik erster Ordnung zur Kybernetik zweiter Ordnung bis hin zu neueren Entwicklungen wird die theoretische Basis geschaffen. Die Besonderheiten systemischer Haltung werden benannt und an Praxisbeispielen verdeutlicht. So füllen sich Schlagwörter, wie Autonomie, Zirkularität, Neutralität und Ressourcenorientierung mit Inhalt. Abschließend werden die Besonderheiten der Familie als soziales System benannt.

Modul 2: Genogrammarbeit (1 Tag/10 Ustd.) 

Genogramme dienen der übersichtlichen Darstellung von komplexen Familiensystemen. Neben den eigentlichen Fakten geht es dabei immer auch um die dahinter stehenden Geschichten. Wie wurden z.B. Lebensübergänge gestaltet und Krisen bewältigt? In diesem Modul werden zunächst die Grundzüge eines Genogrammes erklärt. Anschließend werden Hypothesen zu Beispielgenogrammen aus der Praxis gebildet. 

Modul 3: Hypothesenbildung und zirkuläres Fragen (1 Tag/10 Ustd.) 

Aus systemischer Sicht gibt es keine objektiven Wahrheiten. Wirklichkeit ist immer nur subjektiv wahrnehmbar und im sozialen Kontext erfassbar. Daher stützt sich der Beratungsprozess auf Hypothesen. Diese vermuteten Zusammenhänge und Erklärungsversuche bilden die Grundlage für neue Fragen. Zirkuläres Fragen zielt dabei auf die Bedingtheit menschlichen Verhaltens ab und bezieht verschiedene Perspektiven Dritter in die Lösungsfindung ein. In diesem Modul werden diese grundlegenden Techniken systemischer Beratung erklärt und vor allem geübt. 

Modul 4: Systemaufstellungen (1 Tag/10 Ustd.) 

Aufstellungen mit Figuren oder Personen ermöglichen einen Blick ins System. Welchen Sinn machen die Figuren, Symbole, Emotionen der Personen, Positionen, Blickrichtungen und Entfernungen unter Berücksichtigung der Geschichte und der zu bewältigenden Aufgaben eines Systems? Welche Veränderungen lösen welche Konsequenzen für die verschiedenen Beteiligten aus? Die Herstellung einer Veränderung im Bild löst dabei in der Folge häufig Veränderungsschritte in der Praxis aus. In diesem Modul werden Aufstellungen durchgeführt und die ablaufenden Prozesse reflektiert. 

Modul 5: Lösungsorientierte Arbeit mit Kindern und Jugendlichen (1 Tag/10 Ustd.) 

Anhand des „Ich schaff ́s“- Programmes von Ben Furman und anderer lösungsorientierter Verfahren wird ein konkretes Handlungsprogramm für die Praxis vorgestellt und ausprobiert – von der Problemtrance zur Lösungstrance. Dabei geht es um die Förderung von Selbstverantwortung, die Aktivierung von Ressourcen, den Aufbau von Unterstützernetzwerken und eine Haltung von Optimismus und Zuversicht. 

Modul 6: Systemische Arbeit im Zwangskontext Jugendhilfe (1 Tag/10 Ustd.) 

Anhand von Theorien, Fragen und Beispielen wird erarbeitet, wie systemische Arbeit im Zwangskontext der Jugendhilfe umsetzbar ist, frei nach dem Motto: „Wie kann ich Ihnen helfen, mich wieder los zu werden?“ Dabei geht es um Möglichkeiten der Umsetzung systemischen Denkens und Handelns in Beratungsgesprächen, im praktischen Tun mit Familien und Jugendlichen und in der Hilfeplanung. 

Modul 7: Umgang mit traumatisierten Menschen (1 Tag/10 Ustd)

Im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe haben es Fachkräfte häufig mit traumatisierten Menschen zu tun: Unbegleiteten minderjährigen Ausländern, Kindern, die schwere Misshandlungen erlebt haben und Eltern, denen es als Kindern ebenso ergangen ist. Zunächst wird der Begriff Trauma im Unterschied zum belastenden Lebensereignis definiert. Dann wird ein Zugang dazu geschaffen, welchen „Sinn“ das Verhalten traumatisierter Menschen aus ihrer Perspektive macht. Dem schließt sich die Frage an, welche traumapädagogischen Handlungsmöglichkeiten es in welchen Kontexten und Lebensphasen gibt und was einer psychotherapeutischen Behandlung vorbehalten bleiben muss.

Modul SV: Systemische Fallsupervision (5 Tage/50 Ustd.) 

Mitgebrachte Fälle der Teilnehmer/innen werden anhand von systemischen Methoden supervidiert. Voraussetzung für die Erlangung des Zertifikates ist das Einbringen von mindestens zwei eigenen Fällen/systemischen Fragestellungen. Im letzten Supervisionstermin findet eine Abschlussreflexion des Lernprozesses im Laufe des Seminars statt. 

Modul SE: Selbsterfahrung anhand des eigenen Genogrammes (8 Ustd.) 

In Einzelarbeit wird ein eigenes Familiengenogramm erstellt und besprochen. So wird für die praktische professionelle Arbeit immer wieder der persönliche Anteil deutlich. Weitere Übungen bzw. Fragestellungen zur Selbsterfahrung können sich anschließen. Dafür wird ein Pool von erfahrenen Beratern zur Verfügung gestellt.

Modul PG: Peergroup (22 Ustd.) 

In selbst organisierten Studiengruppen wird der Inhalt der Weiterbildung und die Praxiserfahrung reflektiert und Literatur besprochen 

Konzept und Leitung 

Jürgen Schuba, Dipl.-Sozialpädagoge, Dipl.-Supervisor, Lehrsupervisor, Systemischer Therapeut und Berater (SG), Dozent für systemische Beratung (SG) 

Weitere Dozent/innen, Berater/innen

Für die Module Selbsterfahrung (SE) und Supervision (SV) stehen weitere Dozenten zur Verfügung. Diese verfügen mindestens über die Qualifikation „Systemische/r Berater/in“, „Systemische/r Therapeut/in“ oder „Systemische/r Supervisor/in“ oder Supervisor/in (SG, DGSF, DGSv oder gleichwertig).

Unter anderem sind dies:

  • Annette Schuba, Dipl.-Sozialarbeiterin, Systemische Therapeutin und Beraterin (SG), Supervisorin ISP i. A. (Supervision, Jugendhilfepraxis, Selbsterfahrung)
  • Monika Steinebrunner-Fabian, Dipl.-Sozialarbeiterin, Systemische Familientherapeutin (SG), Systemische Supervisorin (SG), (Supervision, Jugendhilfepraxis, Selbsterfahrung)

Die Systemische Weiterbildung wird als Inhouse-Veranstaltung für einzelne Einrichtungen durchgeführt. Je nach Wunsch können weitere systemische Inhalte angeboten werden, z. B. (Video-)Analyse von Kommunikationsmustern, Arbeit mit Ritualen, „paradoxe“ Interventionen, Auftragsklärung und Zielplanung, Kontext und Setting, Besonderheiten bei speziellen Einsatzfeldern. Wir entwickeln mit Ihnen gemeinsam ein passendes Angebot.

Bei Interesse können Sie gerne mit mir Kontakt aufnehmen.